Das Projekt

Mit neuem Design und aktualisierten Inhalten ist am 9. November 2011 zum Jahrestag der Pogromnacht das Internetprojekt „www.celle-im-nationalsozialismus.de“ freigeschaltet worden. Die Internetplattform bietet einen stadtgeschichtlichen Zugang zum Nationalsozialismus und gehört zu den meistgenutzten nicht-kommerziellen Seiten aus Celle.

Entstanden war die Internetpräsenz schon im Jahr 2002 Jahren, nun war eine Anpassung an die geänderten Nutzungsgewohnheiten erforderlich. Diese konnte der „Verein zur Förderung politischer Literatur“, der als Träger fungiert, mit Mitteln des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN“ umsetzen.

Ursprünglich hervorgegangen aus einem zeitgeschichtlichen Stadtrundgang zum Thema ist der Aufbau nach wie vor topographisch strukturiert. Die Informationen sind also angebunden an die Orte, die in Celle in der Zeit des Nationalsozialismus für Opfer, Täter und Zuschauer von Bedeutung waren. Der Aufstieg der NSDAP und die lokale „Machtergreifung“ hatte ihre spezifischen Orte, genauso wie die Verfolgung der politischen Gegner und ihr Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Die Vernichtung der Ausgrenzung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung hatte einen Anfang in der unmittelbaren Nachbarschaft: Opfer und Täter wohnten in den Mauern dieser Stadt. Parallel zu den ausschließenden Mechanismen des rassistisch-antisemitischen Programms im NS-Staat entwickelte sich durch Prozesse der Gleichschaltung und Einbindung die „Volksgemeinschaft“, die dann ihre Ausprägung in nahezu allen Institutionen fand.

Rundgang

Die Struktur der Webseite ist also angelehnt an den Rundgang: Er beginnt mit der Station „Mahnmal in den Triftanlagen“ und endet an der „Synagoge“. Weit außerhalb liegende Orte, wie z.B. der Flugplatz Wietzenbruch sind gesondert als „Außenstationen“ aufzusuchen. Schließlich gibt es mit den Stationen verknüpfte Dokumente, die aber auch gesondert eingesehen werden können.

Hintergrund

Neben der umfangreichen Literaturliste bietet die Webseite viele Texte aus Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen – diese können nach Autorennamen, Titel oder Erscheinungsjahr sortiert werden. Letzteres ist nicht unwichtig, denn: In diesem Bestand sind ältere Artikel, bei denen teilweise die Informationen durch neuere Forschungen „überholt“ sind. (Darauf bitten wir zu achten.)

Neu ist ein Medienpool, der aktuell aus Videomaterial zur „Pogromnacht“ in Celle besteht, aber ergänzt werden soll.

Schließlich sind alle in den Stationen genannten Personen erfasst – über die Namen lassen sich dann auch thematische Zugänge öffnen.

Das Projekt

Allgemeine Informationen, aber auch Aktuelles findet sich unter „Das Projekt“. Hier werden wir auch jeweils über Veränderungen der Webseiten informieren. Und hier sind auch als „Angebote“ die Möglichkeiten und Bedingungen aufgelistet, zu denen wir den Rundgang auf der Straße durchführen bzw. mit Vorträgen in Schulen oder andere Institutionen kommen.

Kontakt

Über jede Form von Kritik, von Anregungen, aber auch Fragen würden wir uns sehr freuen. Hierzu gibt es die Möglichkeit eines „Feedback“.

 

"Celle im Nationalsozialismus" ist der Titel eines virtuellen Stadtrundgangs, der am 1. September 2002 im Internet sein Portal öffnet. Im Rahmen einer antifaschistischen Stadtführung hat das "Archiv für neue soziale Bewegungen" in den vergangenen Jahren gelegentlich Gruppen an die Orte geführt, die für Opfer, Täter und auch Zuschauer zwischen 1933 und 1945 von Bedeutung waren. In den letzten Monaten wurde jetzt unter der wissenschaftlichen Begleitung und Mitarbeit von Reinhard Rohde eine virtuelle Version entwickelt.

Wo waren die Geschäfte jüdischer Inhaber, die in der Pogromnacht 1938 in Celle demoliert wurden? Wo hatten in Celle Gestapo, SS und SA ihren Sitz? Womit beschäftigten sich das "Landeserbhofgericht" im Schloss und das neu eingerichtete "Erbgesundheitsobergericht"? Wer hatte im "Braunen Haus" das Sagen? Wie leisteten KPD- und SPD-Mitglieder Widerstand? Antworten auf diese Fragen und Hinweise zu vielen anderen lokalgeschichtlichen Aspekten der Jahre 1933-1945 findet man jetzt im Internet.

Zustande gekommen mit der Unterstützung der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung und der Celler RWLE Möller Stiftung, richtet sich das Projekt vor allem an junge Menschen, die sich über die nationalsozialistische Vergangenheit ihrer Heimatstadt informieren wollen. Die Auseinandersetzung mit NS-Geschichte kann, so die Auffassung der Initiatoren, mit dazu beitragen, rechtsextremen Positionen, Auschwitz-Leugnern und Neonazis entgegenzutreten.

Zur Entstehungsgeschichte sagt Reinhard Rohde: "Ausgangspunkt war der antifaschistische Stadtplan, den Reinhard Möller und ich zuerst 1985 erstmals aufgelegt hatten. Dann hat es ja in den letzten Jahren wichtige Veröffentlichungen von Mijndert Bertram, Sabine Maehnert, Sybille Obenaus, Nils Köhler und anderen gegeben. Deren Forschungsergebnisse sind selbstverständlich eingeflossen." Zudem habe man bei den Führungen, die regelmäßig an Gedenktagen wie dem 9. November (Reichspogromnacht) oder dem 8. April ("Hasenjagd" auf KZ-Häftlinge) durchgeführt werden, mitbekommen, was die Teilnehmer besonders interessiert. "Im Internet gibt es zeitgenössische Fotos von den Gebäuden, und wir machen Texte und Dokumente zugänglich, die eine intensivere Beschäftigung ermöglichen."

Dennoch soll es weiter Rundgänge geben. Das Internet, so Rohde, könne nicht die Kommunikation ersetzen, die es bei jedem "Reality"-Rundgang gebe: "Es gibt immer die eine oder andere Diskussion, und zumeist hören wir von einem der Teilnehmer dann auch noch eine kleine Geschichte, die wir nicht kannten."

 

 

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