"Kraft durch Freude"-Laden in der Bergstraße 1a. Foto: StA Celle

"Kraft durch Freude"-Laden

Die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF) war eine Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront. Ihre Aufgabe war es, die Freizeit der Bevölkerung im Sinne des Nationalsozialismus zu gestalten, indem sie ein umfangreiches kulturelles Veranstaltungsprogramm und Reisen anbot. Mit einem besonderen Augenmerk auf die Zielgruppe der Arbeiter sollten Privilegien abgebaut und so ein Beitrag zur Schaffung einer „Volksgemeinschaft“ geleistet werden. Aber auch die Erholung der Arbeiter und eine damit verbundene Steigerung der Arbeitsleistung waren beabsichtigt. Mit diesem Programm wurde KdF zur massenwirksamsten und populärsten Organisation im nationalsozialistischen Staat.

„Kraft durch Freude“ in Celle wurde am 27. November 1933 gegründet. Die Celler Kreisdienststelle befand sich zunächst in den Räumen der Arbeitsfront in der Mauernstraße 50. Später bezog KdF ein Ladengeschäft im Haus Bergstraße 1A. Das Programm, das KdF den Cellern bot, war vielfältig. Angeboten wurden verschiedene Tages- und längere Urlaubsreisen, für die beispielsweise die Mitarbeiter der Stadtverwaltung von ihrem Arbeitgeber Zuschüsse erhielten. Besonders warb KdF für Fahrten zu den Reichsparteitagen in Nürnberg. KdF verfügte über ein eigenes „Sportamt“, führte Sportkurse und Sportveranstaltungen durch. Zusammen mit der Stadt richtete Kdf die „Volksbildungsstätte“ ein, die ein breites Angebot an Kursen hatte, mitunter zu explizit nationalsozialistischen Themen wie etwa „Rassenbiologie“. Ein weiteres Bildungsangebot waren Vorträge zu verschiedenen Themen und „volksbildende Abende“. Musikalische Angebote waren neben einer Singgruppe und Musikunterricht auch Operetten und Konzerte. Auch Theater, Varieté und „bunte Abende“ standen auf dem Programm, Ausstellungen wurden organisiert. Veranstaltungsorte von KdF waren vor allem das Schloß und die Union, Filmvorführungen fanden in den Kammerlichtspielen statt. „Kraft durch Freude“ wurde von der Stadt Celle finanziell unterstützt. Beispielhaft ist die Bilanz, die die Niedersächsische Tageszeitung über die Aktivitäten von KdF in Celle im Jahr 1935 zieht: 56 verschiedenste Veranstaltungen seien von 24.656 Menschen besucht worden, an Urlaubsfahrten hätten 5141 „Volksgenossen“ teilgenommen, davon seien 70 % Arbeiter und Angestellte gewesen:

Nichts beweist besser die Dummheit jener Meckerer, die die Einrichtung der KdF.-Fahrten als eine Angelegenheit der Besserverdienenden hinstellen möchten.

Entgegen der nationalsozialistischen Propaganda bildeten die Arbeiter aber nie die Mehrheit der KdF-Urlauber, dies waren Angestellte und Beamte. Doch mit den Ein- und Zweitagesfahrten, die den größten Teil des Reiseprogramms ausmachten, gelang es, bei den teilnehmenden Arbeitern eine Illusion des sozialen Aufstiegs zu erzeugen. Das Gemeinschaftserlebnis unter vorgeblich gleichen „Volksgenossen“ trug sicher zum wachsenden Konsens der Mehrheitsbevölkerung mit dem NS-Regime bei. Wer sich von „Kraft durch Freude“ mobilisieren ließ, konnte sich als Teil jener „Volksgemeinschaft“ ansehen, die auf der anderen Seite aus rassistischen und politischen Gründen Minderheiten ausgrenzte, diskriminierte und verfolgte.

Karte
"Kraft durch Freude"-Laden, Bergstraße 1a, 29221 Celle, Deutschland
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