Eine SA-Formation marschiert auf den Großen Plan. Foto: StA Celle
Propagandaaktion des Celler SA-Sturms 1/77; wahrscheinlich im Jahr 1936. Foto: StA Celle
In der Mauernstraße 18 befand sich der von der SA-Mitgliedern gern besuchte Gasthof Bothe, auch "Sturmlokal Bothe“ genannt. Foto: Postkarte aus den 1930er Jahren.

SA-Standarte 77

Die SA spielte als militärisch organisierte Kampftruppe der NSDAP eine wesentliche Rolle im bei der Erringung der Macht. Die SA hatte nicht nur die Aufgabe eigene Parteiveranstaltungen zu schützen, sondern auch die Versammlungen der Arbeiterparteien zu stören. Mit Aufmärschen und Schlägereien machte die SA Terror zur alltäglichen Drohung gegen politische Gegner.Zu einer regelrechten Straßenschlacht im Arbeiterviertel Blumlage kam es am 12. Juli 1932.

Nach der Machtübergabe an die Nazis waren Mitglieder der Celler SA an der Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte am 1. April 1933 beteiligt, und es war die Celler SA, die im Rahmen der inszenierten Pogromnacht in Celle die Synagoge, die Friedhofskapelle und die verbliebenen Geschäfte jüdischer Inhaber verwüstete.

Die SA-Standarte 77 war mit dem Sturmbann I, II und III in der Mühlenstraße 12 angesiedelt. Später wurde auch die Leitaußenstelle des SD (Sicherheitsdienst der SS) , dessen örtliche Dienststelle sich in der Trift 33 befunden hatte, mit dem 1. Oktober 1943 in die Mühlenstraße 12 verlegt.

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Eine Celler SA-Abteilung, etwa 20 Mann stark, kam zum ersten Mal zum "Schutz“ von Veranstaltungen im Juli 1930 zum Einsatz. Im Wahlkampf zur Reichstagswahl im Juli 1932 betrieb die SA nicht nur Wahlpropaganda, sondern ging auch mit Gewalt vor; es gab mehrere Zusammenstöße mit und Angriffe auf politische Gegner. Noch Ende des Jahres 1932 hatte die Celler SA so wenig Mitglieder, dass bei Veranstaltungen, wenn sie denn eindrucksvoll wirken sollten, SA-Abteilungen von außerhalb nach Celle geholt wurden. Wenige Wochen nach der "Machtergreifung“ erfolgte dann eine Machtdemonstration: Am 26. Februar 1933 marschierten 1500 SA- und SS-Angehörige durch Celle – und am 8. März, drei Tage nach der Reichstagswahl, marschierten SA, SS und Stahlhelm unter dem Beisein tausender Celler vor dem Rathaus zur feierlichen Hissung der schwarz-weiß-roten und der Hakenkreuzflagge auf. Im Anschluss daran drangen SA-Männer in das Oberlandesgericht ein, um auch dort die Hakenkreuzfahne zu hissen. Ebenfalls im März unterstützten zu Hilfspolizisten ernannte SA-Männer die Celler Polizei bei Razzien gegen Kommunisten und Sozialdemokraten. Am 1. April 1933 bezog die SA im Rahmen der "Abwehraktion gegen die jüdische Greuel- und Boykotthetze“ Stellung vor den jüdischen Geschäften Celles. Ihre Posten trugen Schilder mit Aufschriften wie "Kauf nicht bei Juden!“ mit sich, beschmierten die Schaufenster mit Hakenkreuzen und hinderten Kunden am Betreten der Geschäfte. Eine weitere Aktion dieser Tage war die Besetzung des Heimes der sozialdemokratischen Freien Turnerschaft mit Polizeiunterstützung durch die SA. Die Eintrittswelle im Frühjahr 1933 in die NSDAP und ihre Gliederungen kam auch der Celler SA zugute, denn auch durch den Eintritt in die SA erhofften sich viele persönliche Vorteile. Im Zuge des Pogroms am 9. November 1938 zerstörte die Celler SA die Inneneinrichtung der Synagoge und warf Kultgegenstände auf die Straße, auch die jüdischen Geschäfte in der Innenstadt wurden verwüstet. Den Abschluss der Aktion bildete die Verwüstung des jüdischen Friedhofs.

Nach einer Umorganisation innerhalb der SA war die Celler SA-Abteilung die Standarte 77, auch "Heidestandarte 77“ genannt, die in die Sturmbanne I/77, II/77 und III/77 unterteilt war. Dazu kamen eine Reiterstandarte, ein Nachrichtensturm, eine Motorstandarte, ein Reservesturm und ein SA-Musikzug. Der "Standartenbereich“ erstreckte sich über die Grenzen von Stadt- und Landkreis Celle hinaus.

Karte
SA-Standarte 77, Mühlenstraße 12, 29221 Celle, Deutschland
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