Die SPD-Zentrale auf dem Großen Plan 22, gleichzeitig Geschäftsstelle der "Celler Volkszeitung"; Foto: Postkarte Justus Steinbömer
Die SPD-Zentrale auf dem Großen Plan 22, gleichzeitig Geschäftsstelle der "Celler Volkszeitung"
Die SPD-Zentrale auf dem Großen Plan 22, gleichzeitig Geschäftsstelle der "Celler Volkszeitung".

SPD und Celler Volkszeitung

Die SPD war in der Weimarer Republik in der Stadt Celle bis zum Aufstieg der NSDAP die stärkste Partei mit 30 bis 40 % bei den Wahlen. Sie verfügte über ein breites Vorfeld mit eigener Zeitung, der Celler Volkszeitung (CVZ), und einer ihr nahestehenden Vereinswelt (Freie Turnerschaft, Gesangsverein Thalia, Volksbühne, Arbeiter-Samariter-Bund).

Nach der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten wurde die CVZ wiederholt kurzzeitig und am 26. April 1933 endgültig verboten. Sozialdemokraten wie der Senator Ernst Schädlich (1884-1949) oder der stellvertretende Arbeitsamtsleiter Rabe wurden aus dem öffentlichen Dienst entfernt. Trotzdem verhielten sich viele Sozialdemokraten eher legalistisch, teilweise opportunistisch zu den neuen Machthabern.

Im Mai 1933 wurden die der SPD nahestehenden Vereine gleichgeschaltet oder verboten, schließlich sogar das Parteigebäude am Großen Plan 22 samt Inventar beschlagnahmt. Endgültig verboten wurde die SPD am 22. Juni 1933.

Am 2. Mai 1933 wurden die Freien Gewerkschaften zerschlagen. In Celle wurden die Gewerkschaftshäuser von Mitgliedern der „Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation“ (NSBO) besetzt und die Kassen beschlagnahmt. Auch das Heim der Freien Turnerschaft am Sportplatz an der Nienburger Straße, heute das Gebäude des TuS Celle FC, wurde an diesem Tag von den Nationalsozialisten übernommen.

Einen organisierten Widerstand gab es seitens der Celler SPD nicht. Im Jahr 1939 wurden allerdings auch sozialdemokratisch orientierte Arbeiter der „Transportgerätefabrik R. Wille & Sohn“ angeklagt und teilweise zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Auch der ehemalige Chefredakteur der CVZ, Albert Köhler (1866-1955), wurde 1938 und 1944 nach den Attentaten auf Hitler jeweils kurzzeitig verhaftet. Er engagierte sich nach 1945 wie vor 1933 als SPD-Kommunalpolitiker und war im Jahr 1946 für einige Monate Ratsvorsitzender. Nach ihm wurde die Albert-Köhler-Straße benannt.

 

Literatur: Bertram o.J., 163-194: Brundiers 1994; Rohde 1983.



[1] Für dies und das Folgende s.

Karte
SPD und Celler Volkszeitung, Großer Plan 22, 29221 Celle, Deutschland
Hintergrund
oben